Reflexion Staffel 2

Collage - Athene und Zeus

Drei Folgen lang hast du Marie auf ihren Wegen der Sehnsucht begleitet – ihr Staunen, ihr Ringen, ihr Bangen. In den Episoden zeigt sich das deutlich: Marie erlebt ihre Sehnsucht zunächst als diffuse Unruhe. Erst im Kloster, in der Stille, und später im Gespräch mit den Göttern kommt sie ihr näher.

Wir Menschen sind sehnsüchtige Wesen. Sehnsucht begleitet uns ein Leben lang – im großen Glück, wenn sie sich erfüllt, und in der Traurigkeit, wenn sie unerfüllt bleibt.

Sehnsucht lässt sich nicht planen, nicht festhalten, nicht kontrollieren. Und vielleicht ist genau das das Schöne an ihr: das Schweifende, das Diffuse, die Unverfügbarkeit.

In der dritten Episode machen sich Athene und Aphrodite über die Sehnsucht der Menschen lustig und interpretieren sie als reine Bedürftigkeit oder Illusion. Ich sehe das etwas anders.

Bedürfnisse sind die Kraft, die uns ins Handeln bringt. Sehnsucht zeigt uns die Richtung.

In ihr schwingt immer ein „Du“ mit – ein Mensch, ein Ort, eine Idee. Dorthin zieht sie uns, über uns hinaus. Im Kloster schärft sich Maries Blick. Ihre Sehnsucht zeigt sich ihr als innere Bewegung: hin zu Verbundenheit, zu Liebe, zu einem Leben, das Spuren hinterlassen will.
Nicht jede Sehnsucht erfüllt sich. Auch das gehört zum Leben. Sehnsucht ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eher ein Kompass, der uns zeigt, was uns im Innersten wichtig ist.

Wie können wir der Sehnsucht im Alltag Raum geben?

Schritt 1: Wahrnehmen

Spüre deine Sehnsucht. Manchmal als Ziehen im Herzen, manchmal als Bild, das immer wieder auftaucht.
Stell dir vor, sie würde sich erfüllen: Wo bist du? Wer ist bei dir? Wie fühlt sich das Leben an?

Schritt 2: Hindernisse erkennen

Geht ja doch nicht“, seufzte kürzlich eine Teilnehmerin in meinem Retreat. Wir alle kennen wohl dieses „Ja, aber …“.
Typische Hindernisse sind:

  • Zweifel an uns selbst
  • Rücksicht auf andere
  • finanzielle Grenzen
  • Gewohnheiten

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Was davon ist wirklich Grenze – und was ist eher eine gedankliche Sperre?

Schritt 3: Möglichkeiten öffnen

Vielleicht gibt es kleinere Formen der Erfüllung.
Vielleicht Zwischenräume statt entweder – oder.
Vielleicht erste Experimente.

Was wäre ein möglicher erster Zugang, wenn „alles oder nichts“ keine Option wäre?

Schritt 4: Mutig in Bewegung kommen

Und dann: ein erster Schritt. Ein Gespräch. Ein Experiment. Eine neue Erfahrung.

Drei Sätze können begleiten:

  • Ich probiere es einfach einmal aus.
  • Ich gehe jetzt die ersten drei Schritte.
  • Ich darf scheitern.

Wenn du deine eigene Sehnsucht weiter erkunden möchtest: Im Arbeitsblatt zum Selbstcoaching findest du die vier Schritte als praktische Vertiefung mit Raum für deine eigenen Antworten und nächsten Schritte.

Sehnsucht will nicht immer erfüllt werden. Aber sie will gehört werden. Wenn wir beginnen, mit ihr – und damit mit uns selbst – ins Gespräch zu kommen, wird sie zur Orientierung.
Und zeigt uns, dass unser Leben mehr Möglichkeiten bereithält, als wir im ersten Moment erkennen.

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